Boykott gegen die Elsevier-Journals
Wissenschaftlich arbeitende Ärzte und die Kollegen der anderen Disziplinen sind aufgerufen worden, keine Artikel mehr bei Elsevier-Journalen einzureichen oder zu begutachten.
 William Timothy Gowers, Preisträger der Fields-Medaille 1998
(P. Köhler) Grund für diesen Boykottaufruf ist die Politik von Elsevier, den Zugang der Öffentlichkeit zu wissenschaftlichen Informationen zu verknappen und gleichzeitig die Bibliotheken zur Abnahme ihrer überteuerter, zu Paketen gebündelten Zeitschriftenabonnements zu zwingen. Dabei werden wichtige Journals mit Müllprodukten kombiniert. Mehr bei Telepolis.
Praktisch alle wissenschaftlichen Autoren und Reviewer arbeiten an öffentlichen oder privaten Forschungseinrichtungen und werden meistens mit Steuergeldern bezahlt; nicht von Elsevier. Ihre Ergebnisse sollten der Öffentlichkeit gehören, die dafür bezahlt hat.
Initiator ist der weltbekannte Mathematiker William Timothy Gowers. In seinem Weblog betont Gowers, dass die Wissenschaftsgemeinde stärker sein könnte als Elsevier, wenn sie einig ist. Hier der öffentliche Aufruf mit der Möglichkeit, online zu unterschreiben: The Cost of Knowledge.
Elsevier, benannt nach einer alten niederländischen Verlegerdynastie, gehört zum Konzern Reed International (30 000 Angestellte, jährlicher Umsatz 6 Mrd USD, Gewinn >1Mrd USD). Reed-Elsevier produziert etwa 2600 medizinische und naturwissenschaftliche Zeitschriften mit ca. 250 000 Artikeln jährlich. Seit über zehn Jahren gilt die britisch-niederländische Firma mit ihrem rabiaten Preis- und Lobbygebaren als schwarzes Schaf der Branche. Einige Universitäten raten ihren Mitarbeitern schon lange von der Zusammenarbeit mit Journalen der Elsevier-Gruppe ab (Beispiel).
2007 war der Konzern bereits einmal dem öffentlichen Druck der weltweiten Wissenschaftsgemeinde ausgesetzt und dabei gezwungen, einen weiteren Geschäftszweig, den Waffenhandel, aufzugeben.
(Abbildung von: AllenS/Wikimedia Commons, public domain)
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