Impfmüdigkeit in Deutschland - Impfboom in den Entwicklungsländern

Da gibt es seit vier Jahren eine neuartige Impfung, die praktisch alle Gebärmutterhalskrebserkrankungen und allein in Deutschland 2500 Todesfälle pro Jahr verhindern könnte. Die ist wissenschaftlich abgesichert einschliesslich Nobelpreis, von den Krankenkassen erstattet - und nur 30 % nehmen sie in Anspruch.

(P. Köhler) Sind die Briten (85 % Impfrate) und die Finnen (100 % Impfrate) klüger? Oder nur besser organisiert? Vielleicht beides.

Bei den klassischen Impfungen sieht es noch schlimmer aus: In Deutschland glauben viele Menschen, dass Infektionskrankheiten harmlos sind - wer stirbt schon an Infektionen?

Die saisonale Grippe macht niemandem mehr Angst (5.000 Todesfälle pro Jahr in Deutschland). Über die "Schweinegrippe" 2009 lacht die Nation (258 Todesfälle). Die Masern sind ein Partyspaß (fünf bis zehn tote Kinder pro Jahr). Die Grippeimpfrate liegt Jahr für Jahr weit unter 20 % der Bevölkerung. Und beim medizinischen Personal sieht das kein Stück besser aus. Überhaupt soll die ganze Impferei nur dem Pharmakartell dienen.

Gut, dass es wenigstens anderswo Leute gibt, die es besser wissen: Das echte Problem mit der Impfung haben die Armen. In den Entwicklungsländern würde der Zugang zu den Impfungen, die wir hier lässig missachten, Millionen Leben retten. Und die meisten Länder haben es verstanden und sorgen jetzt für systematische Impfprogramme ihrer Bevölkerung. Der Umsatz der fünf großen Hersteller GlaxoSmithKline, Sanofi, Merck, Pfizer und Novartis mit Impfstoffen betrug in 2010 22 Mrd USD, 18% mehr als im Vorjahr, vierfach mehr als 2003. Alle Hersteller berichten über eine kontinuierliche Zunahme der Impfungen weltweit - auch ohne Deutschland.








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