Rückschlag für die Partikeltherapie in Deutschland

Seit kurzem steht fest, dass Siemens Healthcare den Weiterbau der geplanten Protonen-Bestrahlungseinrichtung in Kiel einstellt.

(P. Köhler) Stattdessen wird das norddeutsche Strahlentherapiezentrum nun mit konventionellen Siemens-Linearbeschleunigern ausgerüstet. Die ursprüngliche Planung, und die Vorteile, die man sich von der neuen Anlage versprochen hatte, stellt der leitende Kollege Prof. Jürgen Dunst hier ausführlich dar.

Der Bau war schon weit fortgeschritten; das Gebäude steht und der Ringbeschleuniger ist bereits aufgestellt.

Siemens hatte bisher Schätzungen publiziert, nach denen etwa 10 % der pro Jahr 200.000 Strahlentherapien in Deutschland besser mit Partikelstrahlung erfolgen könnten; das wäre Arbeit für etwa zehn regionale Zentren mit je 2.000 Patienten pro Jahr. Offenbar mußten diese Prognosen jetzt revidiert werden; die Einrichtungen sind viel komplizierter und teurer als gedacht und wären bei der bisher verhandelten Vergütung nicht kostendeckend. Im Ausland liegt die Vergütung pro Behandlungsfall ca. 5x höher.

Im Juli hatte der Siemens-Konzern schon die ebenfalls im Bau befindliche Anlage in Marburg zu einer Forschungseinrichtung herabgestuft, weil sie sich in der Regelpatientenversorgung nicht gerechnet hätte. Der Konzern will sich nun auf China konzentrieren: er baut in Schanghai eine große Neuinstallation ähnlich der Heidelberger Anlage. Ausserdem gibt es noch eine halbfertige Siemens-Protonentherapie in Pavia/Italien, deren Schicksal ungewiß ist.

Bisher nicht von ähnlichen Entscheidungen betroffen sind die Geräte in Berlin und Heidelberg, sowie die Anlagen in München (Technik von Varian) und Essen (derzeit noch im Probebetrieb, Technik von IBA/Belgien). Gegenwärtig sind weltweit 36 Zentren für Partikeltherapie in Betrieb. Darunter arbeiten fünf mit Schwerionen (Chiba, Hyogo, Gunma, Lanzou und Heidelberg) die übrigen mit Protonen.








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