Schamanen in den Ärztekammern

Die Medizin ist eine Wissenschaft – oder jedenfalls streben wir Ärzte immer danach, wissenschaftsbasiert zu arbeiten. Wer von uns würde schon freiwillig die Hilfen ablehnen, die randomisierte Studien, Metaanalysen und Cochrane reports für die ärztliche Tätigkeit bereitstellen?

(P. Köhler) Im Gegenteil fordern die meisten unserer Standesvertreter mehr – und bessere – Studien, um moderne Entwicklungen in Diagnostik und Therapie auf Herz und Nieren zu prüfen.

Vor diesem Hintergrund etwas merkwürdige Signale senden gegenwärtig die österreichischen Kammern: Vor einigen Wochen liess die Kammer Für Wien den Nutzen von evidenzbasierten Leitlinien theologisch begutachten und kam zu dem Schluss, diese dienten ökonomischen Zwecken und würden als „Zwangsjacke“ wirken. In der EbM "...dürfte eine Blinddarmoperation gar nicht geschehen,“ schreibt der Moraltheologe Günter Virt. Ob das nicht ein wenig fachfremd und darüberhinaus auch noch polemisch formuliert ist?

Nicht nur Leuten aus der GWUP stößt das sauer auf.

Wenn Ärzte die medizinische Wissenschaft ablehnen, den Fortschritt also, dann werden sie überholte Konzepte nicht mehr erkennen, falsche Traditionen nicht mehr verlassen können und schliesslich ihren Patienten wider Willen schaden – wir werden zu Schamanen.

Ex falso sequitur quodlibet. Als Schamanen können wir beliebiges vertreten, z.B. wie die österreichische Ärztekammer, dass Stromzähler Krebs verursachen.








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