Verwaltungskosten der Krankenkassen explodiert?

"Spiegel online" berichtete gestern abend ebenso knapp wie aufgeregt, dass die deutschen Krankenkassen 23 % ihrer Gesamtausgaben von 176 Mrd für Verwaltung aufwenden.

(P. Köhler) In der Meldung wird eine Studie der Unternehmensberatungsfirma A.T.Kearney zitiert, "...die dem SPIEGEL vorliegt". Also durchgestochen, zugespielt, was auch immer, jedenfalls: nicht veröffentlicht. Andere Online-Medien haben die Meldung aufgegriffen, die Studie hat offenbar sonst bisher niemand gesehen.

A. T. Kearney, ein Ableger von McKinsey, hat laut Wikipedia 3000 Mitarbeiter.

23 % sind mehr als viermal mehr als in der offiziellen Statistik des Statistischen Bundesamtes: dort werden 5.5 % Verwaltungskosten angegeben. Etwas detaillierter ist die Selbstdarstellung des GKV-Verbandes. Der Krankenkassen-Verwaltungskostenanteil ist seit 2003 gesetzlich eingefroren.

Das kann also nicht ganz stimmen. Die Kernaussage von A.T. Kearney betrifft anscheinend alle Kosten der vom deutschen GKV-System verursachten Bürokratie; nicht nur die Löhne und Gehälter der Krankenkassenmitarbeiter. Laut "Spiegel" haben die Kearney-Autoren eine Umfrage unter 6000 "Ärzten, Apothekern und Sanitätshäusern" durchgeführt und die bei diesen Gesundheitsanbietern anfallenden Bürokratiekosten - insgesamt 18 Mrd. Euro - zu den 9.5 Mrd. Verwaltungskosten der Krankenkassen addiert.

Die Zahlen mag man glauben oder auch nicht; es ist sicher schwer, die eigenen Bürokratiekosten exakt nach GKV- und PKV-Veranlassung aufzuspalten und z.B. Kosten des Qualitätsmanagement herauszurechnen. Ich hoffe, dass die Originalstudie bald veröffentlicht wird. Aber darüber entscheidet der Auftraggeber, den man vielleicht im Bereich der privaten Krankenversicherungsunternehmen verorten könnte.








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