Beide Studien wurden von der Süddänischen Universität und der University of Birmingham durchgeführt und im European Spine Journal veröffentlicht1,2.

Gemäß dieser viel beachteten und inzwischen auch viel kritisierten Studien soll unter anderem ein Bakterium (Propionibacterium acnes) Rückenschmerzen auslösen, die somit durch ein Antibiotikum therapierbar wären. 40% der Studienpatienten hatten eine signifikante Verbesserung ihrer Schmerzsymptomatik erfahren.

Medien in ganz Europa berichteten3,4 über diese Möglichkeit. Der Daily Telegraph aus England zitierte einen namenlosen Wirbelsäulenchirurgen, der die Ergebnisse sogar als „nobelpreiswürdig“ einstufte.

Die Kritik, die unter anderem am Europäischen Kongress für Muskuloskelettale Radiologie (Jahrestreffen der ESSR) in Riga vorgetragen5wurde, umfasst mehrere Bereiche:

  • Es wurde kritisiert, dass bisher nur ein einziges Forschungszentrum die Ergebnisse unterstützt. Es sei zwingend eine Wiederholung der Ergebnisse durch weitere Zentren notwendig.
  • Das verwendete Antibiotikum Amoxicillin habe einen antientzündlichen Effekt, der die Besserung der Symptome verursacht haben könnte.
  • Finanzielle Interessen der Autoren seien unklar.
  • Auffallend war für die Kritiker am ESSR auch, dass es in den Studien anscheinend keinen Plazeboeffekt gab.

Meine Meinung zu diesem Thema ist, dass es sich um einen interessanten Ansatz handelt, aber dass es noch viel zu früh ist, derartige Ergebnisse als definitiv unter der Kategorie „neue Forschungsergebnisse“ einzureihen. Die Diskussion hat in Europa bereits viele Menschen verunsichert.

Dr. Harald Städele

Facharzt für Radiologie FMH