Insgesamt ist impfen bemerkenswert sicher

Impfreaktionen müssen gemeldet werden. Ein einziger Impfstoff wurde in 20 Jahren vom Markt genommen. Und zwar ein gegen Rotaviren gerichtetes Präparat. Es traten gehäuft Darmeinstülpungen/Invaginationen bei Verwendung des Impfstoffs Rotashield auf.

Impfschäden sind wissenschaftlich betrachtet eine Rarität. Aber es gibt sie. Es werden gesunde Personen geimpft. Daher ist die Zulassung streng.

Ein Beispiel bei Masern: Bei 38 Personen pro 100.000 treten Impfschäden auf. Aber: Masern kann einen extrem schlimmen Verlauf haben. Es treten zum Beispiel 49 Fälle pro 100.000 einer immer tödlichen subakuten sklerosierenden Panenzephalitis auf. Das zu wissen ist wichtig, um abwägen zu können.

Typische, aber harmlose Nebenwirkungen beim Impfen sind ein flüchtiges Exanthem (vorübergehender Ausschlag), eine Parotisschwellung und Muskelschmerzen.
Es gibt auch Allergien. Der Grund dafür sind Wirkstoffverstärker des Impfstoffs, nicht der Impfstoff selbst.

Eine wichtige Frage: Können Impfungen Autoimmunerkrankungen auslösen?
Antwort: Früher ja. Ein Beispiel war das sogenannte ADEM nach einer Impfung gegen Tollwut. Heute tritt es nicht mehr auf.

Aber das europäische Sicherheitsempfinden ist unterschiedlich. „Impfungen sind sicher“ sagten 66% der befragten Personen in Finnland, und nur 19% in Litauen.(Quelle)

Öffentlicher Druck kann dazu führen, dass Impfstoffe vom Markt genommen werden. Das ist schon passiert. Lymerix gegen Borreliose wurde 1998 zugelassen und nach vier Jahren wieder vom Markt genommen. Gelenkentzündungen wurden von Impfgegnern und den Medien ausgeschlachtet. Die Wissenschaft fand kein erhöhtes Risiko bezüglich Impfreaktionen, aber die Rufschädigung bestand fort. Weitere Firmen haben nun an einer Weiterentwicklung kein Interesse. Man hätte also gegen Borreliose impfen können. Es gibt derzeit einen Lyme-Borreliose-Impfstoff für Pferde und Hunde, aber nicht für Menschen.

Mögliche Coronavirus-Impfstoffe, die derzeit getestet werden

Es gibt bis jetzt vier Varianten:

RNA-Impfstoff

RNA für Oberflächenproteine des Virus wird injiziert und gelangt in via Liposomen und/oder Lipidnanopartikel in unsere Körperzellen. Der Körper produziert dann die Antigene via Ribosomen selbst. Die Immunabwehr ragiert darauf und bildet gegen die Antigene Abwehrzellen. Der Vorteil: Bei dieser Variante treten weniger Allergien auf, als bei den herkömmlichen Impfstoffen aus kompletten abgetöteten Viren plus Wirkverstärker.

Ein vielversprechender Ansatz. Es gibt noch keinen derartigen Impfstoff. Es wurden aber bereits sehr ermutigende Zwischenergebnisse vermeldet. Die Firma Curevac testet allein derzeit 10 Versionen von RNA-Impfstoffen gegen Covid-19.

DNA-Impfstoff

Teile der Virus-DNA könnte man ebenso für eine Impfung einsetzen. Leider kann DNA nicht so einfach in die Zellen eindringen wie RNA, sie ist zu groß. Man behilft sich mit einem Gerät, das man beim Impfen nutzen muss. Das geht dann via sogenannter Elektroporation. Kurze Stromimpulse machen die Zellmembranen durchlässig, damit die DNA eindringen kann. Sonst ist das Verfahren sehr ähnlich zu RNA-basiertem Impfstoff.

Abgetötete Viren plus Wirkverstärker

Das klassische Verfahren, schon der Polio-Impfstoff nach Salk (1955) beruht darauf. Es existieren heute viele derartige Impfstoffe. Nachteil: Das Virus muss erst gezüchtet und daraufhin abtötet werden. Das Züchten in Zellkulturen oder Versuchstieren braucht Zeit und ist nicht einfach.

Vektorbasierte Impfstoffe

Ein harmloses Virus wird als Vektor verwendet. Man baut in sein Genom Erbgut für das  SpikeProtein des Sars-CoV-2 eingebaut wird. Diese Viren können sich nicht vermehren, aber sie liefern ihr Material in den Körperzellen ab, wo dann das Spike-Protein hergestellt und präsentiert wird. Die Spikes lösen eine schützende Immunreaktion aus. Vektorbasierte Impfstoffe haben sich gegen Ebola und gegen Dengue-Fieber sehr bewährt. Der russische Covid-19-Impfstoff Sputnik V ist vektorbasiert.

Neutralisierende Antikörper sind bei allen Impfungen das erwünschte Ergebnis. Diese neutralisieren das Virus. Nicht-neutralisierende Antikörper treten aber auch auf. Diese sind entweder nutzlos oder verstärken unter Umständen sogar die Krankheitsreaktion. Mit solchen Antikörper ist bei Covid-19-Impfstoffen durchaus zu rechnen, da das Phänomen bei SARS-Viren schon beobachtet wurde, auch nach Impfungen gegen Denguefieber (Dengvixa). Deshalb sind die im Zulassungsverfahren vorgeschriebenen Reihentestungen wichtig.

Eine Impfstoffentwicklung ist kompliziert, aber machbar.

Ein Blogbeitrag, für den wir keine Gewähr übernehmen können, aber gerne mitteilen was wir -Stand heute – wissen.

Dr. Harald Städele 10. Nov. 2020