Bisher gibt es nur künstliche Renderings der geplanten Anlage – der echte Prototyp wird nicht gezeigt. Auch die erzeugten Bilder sehen für mich sehr stark AI-bearbeitet aus.
Aber die Idee klingt gut: Ein Ring aus Ultraschalltransduktoren, durch den man auf einer langsam abgesenkten Plattform in einer Art Badebecken langsam abgesenkt wird. In wenigen Minuten erzeugt die Anlage eine transparente dreidimensionale Ansicht des Körperinneren, so ähnlich, wie wir sie aus der Ganzkörper-Kernspintomographie auch kennen. Nur viel schneller, viel leiser, und ohne jede Gefahr.
Da könnte im Prinzip etwas draus werden. Ultraschall ist eine jahrzehntealte, gut eingeführte Methode der medizinischen Bildgebung. Es ist allerdings fraglich, ob Midjourney Inc., bisher ein Hersteller von AI-Bildgeneratoren, sich ohne größere Probleme zu einem Medizingerätehersteller wandeln kann. Die Regulierung dieses Marktes ist heftig, die Kunden sind schwierig, die Konkurrenz ist groß. Und Renderings alleine verkaufen sich nicht, ohne wissenschaftlichen Nutzennachweis schon gar nicht.
Ich sehe noch ein Problem: wir wissen nicht, ob und welche Krankheiten die (selbstverständlich AI-gestützte) Bildanalyse wird diagnostizieren können. Aus unserer langen Erfahrung mit herkömmlichen Untersuchungen wissen wir, dass man nur Erfolg hat, wenn man gezielt sucht und vorgegebene Diagnosefragen hat. Eine unspezifische Suchmethode „für alles Krankhafte“ gibt es nicht und wird es voraussichtlich auch nicht geben. Dafür sind die Varianten der Krankheiten zu vielgestaltig, die Menschen körperlich zu verschieden, die Störeinflüsse zu stark.
Eine Ganzkörper-Kernspintomographie kann Brustkrebs, Gallenblasenentzündung, Rheuma oder Prostatakrebs feststellen. Aber sie findet in der Regel nur schwere Erkrankungen. Sie ist viel weniger sensitiv als gezielte und fokussierte Kernspintomographien der Brust, der Leber, der Wirbelsäule, oder der Prostata. Zu denen wir gezielte Fragestellungen und Untersuchungsergebnisse des behandelnden Arztes bekommen haben. Man kann sich mit einem negativen Ergebnis aus der Ganzkörperuntersuchung freuen – aber man kann nicht sicher sein.
Ob die neue Ganzkörperuntersuchung mit Ultraschall denselben Einschränkungen unterliegt? Das steht nun zu erforschen. Ultraschall funktioniert bisher gut bei den weichen Organen im Bauchraum, an Gelenken und Muskeln. Die Schallwellenbildgebung funktioniert schlecht in der Lunge, und im Kopf, weil der Schall harte Grenzflächen nicht durchdringen kann.
Sicher werden die Maschinen, die Midjourney Medical ab 2028 verkaufen möchte, auf Interesse stoßen. Sie sehen bequem und patientengerecht aus, die Untersuchung geht schnell und tut nicht weh. Was die Anlage findet, wird mit herkömmlichen Methoden nachuntersucht und überprüft werden. Und vielleicht wird es sogar funktionieren. Es wäre dann die erste echte Neuerung in der Ultraschalldiagnostik seit der Einführung des Harmonic Imaging (1995).