Es gibt seit vielen Jahren wirkstoffhaltige Pflaster, die man in regelmäßigen Abständen auf die Haut klebt, um eine gleichmäßige Wirkung beispielsweise bei Schmerzmitteln vom Opioidtyp zu erhalten.

Radiologische Kollegen, die in einem Klinikum der Region tätig sind, haben nun kürzlich die Warnung erhalten, dass vor kernspintomografischen Untersuchungen solche transdermalen Pflaster immer entfernt werden sollten.

Der Grund: Die Pflaster können Metalle wie Aluminium enthalten, die sich durch die schnell geschalteten Magnetfelder induktiv erwärmen. Dabei wurde eine Warnung der Schweizerischen Stiftung für Patientensicherheit aus 2011 von 2011 aufgenommen, die sich wiederum auf eine Warnmeldung der amerikanischen FDA aus 2009 bezieht (vgl. Lit.).

Wenn die Pflaster Metall enthalten, ist das in der Regel Aluminium in der Trägerfolie. Nur metallhaltige Pflaster können im MR eine Gefahr darstellen. Nur ändern die Herstellerfirmen ihre Produkte gelegentlich, ohne das allgemein bekanntzugeben, und solche Listen wie Medscape (2008) oder pharmazeutische Zeitschriften (2012) sie anbieten, sind deshalb nach kurzer Zeit nutzlos. Man kann im Alltag nur so verfahren, dass ausnahmslos alle transdermalen Medikamentenpflaster vor Beginn der Untersuchung vom Patienten ablöst und entsorgt, und nachher ein neues Pflaster aufklebt.

Meines Erachtens ist diese weitreichende (und teure) Empfehlung aber zu schwach begründet. Die Website MRISafety.com, eine gründliche Online-Referenz zur MR-Sicherheit, berichtet insgesamt drei Fälle 1995 – 2009, bei denen sich solche Pflaster so stark erhitzt haben, dass die Patienten zweitgradige Verbrennungen erlitten (= Rötung und Blasenbildung). Dabei waren unterschiedliche Medikamentenpflaster beteiligt. Spätere Fälle scheint es nicht zu geben, oder sie wurden nicht veröffentlicht.

Drei dokumentierte Fälle in 15 Jahren sind außerordentlich wenig. In den Industriestaaten werden durchschnittlich 50 MRI pro 1000 Einwohner und Jahr angefertigt [Quelle], in Deutschland sogar fast doppelt so viel [Quelle], also knapp 8 Mio Untersuchungen. Und einer Erhebung im Klinikum Suhl (s.Lit.) zufolge kommen 3 von hundert Patienten mit einem Medikamentenpflaster ins MR!

Auch die Hersteller, bei denen ich mich erkundigt habe, sehen die MR bei Patienten, die ihre Produkte anwenden, für ungefährlich an: „Scopoderm Pflaster enthalten in der äußeren Schicht eine aluminiumbeschichtete Polyesterfolie. Dennoch halten wir eine Verletzungsgefahr durch das Erwärmen des Pflasters für unwahrscheinlich.“ (Glaxo Smith Kline) „Unter den zusätzlichen Bestandteilen [von Durogesic, PK] sind keine Metalle gelistet.“ (Janssen-Cilag)

Ich würde das bislang nun so einschätzen, dass ein praktisch völlig vernachlässigbares Risiko  (ca. eine Verbrennung II° pro 100 Millionen MR-Untersuchungen) vorliegt. Die o.g. Warnungen werden perpetuiert, indem die erste Meldung der FDA ohne neue Bewertung der Datenlage alle paar Jahre wiederholt wird. Es schreibt einer vom anderen ab, und natürlich möchte niemand die Verantwortung auf sich nehmen, eine warnende Empfehlung zurückzunehmen oder wenigstens abzuschwächen.

Im Gegenteil: Ich halte es für problematisch, wirkstoffhaltige Pflaster, die eine definierte Anwendungsdauer haben, „außer der Reihe“ durch neue zu ersetzen. Es kann zu unerwünschten Dosiserhöhungen kommen, wenn die Intervalle verkürzt werden, weil neue Pflaster in der Haut ein Wirkstoffdepot aufbauen, das zurückbleibt, wenn das Pflaster entfernt wird. – Und auch gebrauchte Pflaster sind gefährlich: man muss sie wegen ihres Restgehaltes absolut kindersicher entsorgen.

Aus diesen Gründen denke ich, die Pflaster sollten während der Kernspintomographie nicht routinemäßig entfernt werden.

 

Dr. Peter Köhler

Facharzt für Diagnostische Radiologie und Facharzt für Strahlentherapie