Dabei zeigte sich, dass in manchen Kreisen konstant häufiger operiert wird als in anderen, manche der Eingriffe bis zu achtmal häufiger.

Die Ergebnisse der Stiftung stehen seit gestern aufbereitet auf der Seite „Faktencheck Gesundheit“. Hier beispielsweise die interaktive Karte zur Entfernung der Prostata.

Erwartungsgemäß bildet die Karte ein Stadt-Land-Gefälle ab mit wenig Operationen in strukturschwachen Gebieten wie dem Bayrischen Wald, und vielen Eingriffen in den Großstädten.

Bezüglich der Prostata deuten die Bertelsmann-Autoren aber auch an, daß, dass die Patienten in manchen Regionen nicht ausreichend über die defensiven, organerhaltenden Behandlungsstrategien (Strahlentherapie, „watchful-waiting“) aufgeklärt werden.

Die Leitlinie (2011) zum Prostatakrebs schreibt das eigentlich vor und ist für die zertifizierten Krebszentren verbindlich.

Aus meiner Erfahrung kann ich bestätigen, dass Patienten manchmal schon vom niedergelassenen Urologen auf eine bestimmte „Schiene“ gesetzt werden, die der konkreten Erfahrung dieses Urologen entspricht. Eine andere Ursache der Fehlallokation könnte sein, daß die Tumorzentren ambulante Behandlungen wie die Strahlentherapie oder „watchful waiting“nicht genug einbeziehen. Einmal in ein Klinikum eingewiesene Patienten werden in der Regel auch dort therapiert.

Regionale Unterschiede könnten auch entstehen, wenn ein Klinikum durch seinen guten Ruf überregional in Anspruch genommen wird – z.B. könnten die in der „Focus-Liste“ für diese Indikation besonders gut bewerteten Kliniken Patienten nach München, Dresden und Berlin locken. Allerdings kann diese Überlegung kaum für alle Kreise mit stark erhöhter Operationsfrequenz gelten.

Dr. Peter Köhler

Facharzt für Diagnostische Radiologie und Facharzt für Strahlentherapie